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  • Esther Achermann

Mehr Ertrag mit Umtriebsweide

Mit der Umstellung auf Umtriebsweide wollen Sepp und Tamara Vogel das Bodenleben in ihren Wiesen und Weiden regenerieren und den Humusaufbau fördern. Sie nehmen hierfür einiges an Mehrarbeit in Kauf, insbesondere am Anfang. Doch beide betonen, dass der Aufwand sich lohnt. Ein Hofbericht.


Der Betrieb Mattehof liegt mitten im luzernischen Wauwilermoos. Sepp und Tamara Vogel leben hier mit 28 Mutterkühen, deren Kälbern und einigen Weideschweinen. Sie bewirtschaften auf 15 ha Natur- und Kunstwiesen, Silomais, viel Biodiversität (rund 30% der Fläche) sowie eine Niederstammobstanlage mit alten, robusten Sorten.


Tamara und Sepp Vogel
Tamara und Sepp Vogel (Bild: Caroline Krajcir)

Sepp führt den Mattehof seit dem Jahr 2016, als sein Vater unerwartet verstorben war. Für den gelernten Kaminfeger war von Anfang an klar, dass er den Betrieb nicht auf die konventionelle Art weiterführen will. So war seine erste Amtshandlung auf dem Hof, allen noch vorrätigen Kunstdünger zu verkaufen.


Die Leidenschaft und das Interesse für die Landwirtschaft wurden so gross, dass Sepp die dreijährige Ausbildung zum Landwirt EFZ in Angriff nahm und 2020 erfolgreich abschloss. Die Lehre hat er gemeinsam mit einem Leitbetrieb absolviert und währenddessen den Mattehof bewirtschaftet.


"Verlorene Böden"


Auf Sepp kamen mit der Übernahme des Betriebes sehr viele Herausforderungen zu, da er noch kaum praktische Erfahrungen hatte, vor allem nicht auf anderen Betrieben. Aus diesem Grund setzte sich Sepp mit verschiedenen Beratern zusammen und holte so Meinungen zu seinem Betrieb und seinen Böden ein. Einer dieser Berater sagte ihm ganz zu Beginn der Übernahme, seine Böden seien verloren (Moorböden), mit diesen könne er nicht mehr ertragreich wirtschaften.


Doch im Frühling 2021 änderten die Vogels ihr Weidesystem. Inspiriert vom System des Mob Grazing unterteilten eine 2.5 ha grosse zweijährige Kunstwiese in acht Schläge. In der Mitte der Parzelle installierten sie eine Tränkestelle, die von allen Schlägen zugänglich ist. Die Parzelle liegt zwischen zwei Feldwegen und kann von beiden Seiten her bestossen werden. So lassen Vogels die Kühe hinten an der Parzelle ein und zäunen dann jeweils eine Tagesportion ab. Am nächsten Tag wird der Zaun um eine weitere Portion nach vorne verschoben und der abgefressene Teil abgezäunt. Sepp stellte fest, dass das Gras nach dem Weidegang definitiv schneller nachwuchs als beim konventionellen Weidesystem.

Umtriebsweide
Umtriebsweide im Wauwilermoos (Bild: Caroline Krajcir)

Weniger Trockenheit dank der Umtriebsweide


Jede Parzelle wird jährlich mehrmals beweidet, um so das Bodenleben zu fördern und Humus aufzubauen. Für die Vogels bedeutet das neue System der Umtriebsweide zwar ein deutlicher Mehraufwand. Doch die Resultate sind gut sichtbar, und in ihren Augen lohnt sich somit der Aufwand: Sepp beobachtet, dass es viel mehr Würmer in seinen Böden gibt als noch vor einigen Jahren. Im Wauwilermoos trocknet die Erde sehr schnell aus. Indem der Bestand nun nicht mehr so tief abgefressen wird, wirkt dies der Austrocknung entgegen.


Mit dem Umtriebsweide-Systen wollen Sepp und Tamara ausserdem Problempflanzen wie die Blacke eindämmen. „Die Weide ist die Mutter des Ackers“, zitiert Sepp Matthias Stettler von der Hafl. Er ist überzeugt, dass das Spritzen mit Pestiziden Bodendepressionen herbeiführe.


Die Hofdünger werden auf dem Mattehof aufbereitet


Sepp setzt dabei auf die MC -Kompostierung. MC steht für das Verfahren der microbiellen Carbonisierung. Hierfür mischt er den Laufstallmist mit Pflanzenkohle, Rottelenker, Steinmehl und effektiven Mikroorganismen (EM), lässt diesen durch den Miststreuer und drückt ihn auf einem befestigten Platz an.


Das Gemisch wird danach mit Gülle getränkt und ein halbes Jahr gelagert, bevor es im Herbst dann aufs Feld gebracht werden kann. Auch die Gülle bereitet Sepp mit EM, Pflanzenkohle und Steinmehl auf. Die EM setzt Sepp selber an. Im letzten Jahr produzierte und vertrieb er davon rund 12'000 Liter.


Bild: Caroline Krajcir

Erste Schritte mit Weideschweinen


Zum Betrieb gehört auch ein Schweinestall, welcher jedoch verpachtet ist. Sepp und Tamara träumen davon, eines Tages eventuell auf dem Hof wieder selber Schweine zu halten in einem tierfreundlichen Weidesystem. Im Sommer 2021 hielten sie drei Schweine einer alten Rasse aus einem FibL-Projekt, um erste Erfahrungen in der Weideschweinehaltung zu sammeln. Das Fleisch würden sie – wie bereits das Naturabeef – selber direktvermarkten. Dazu können sie die auf dem Hof vorhandenen Verarbeitungs- und Lagerräume nutzen.


Mehr Ertrag dank regenerativer Landwirtschaft


Inzwischen erwirtschaftet Sepp mit regenerativen Methoden mehr Ertrag als sein Vater noch nach dem konventionellen System. Sepps Vater hat vor einigen Jahren ein viertes Hochsilo aufgestellt, welches aber nie gefüllt werden konnte, da zu wenig Futter eingebracht wurde. Sepp kann dieses Silo inzwischen mit denselben Flächen füllen und konnte den Kuhbestand ausserdem um rund zehn Kühe erhöhen.


Neueinsteiger sollen nicht den ganzen Betrieb auf den Kopf stellen, sondern eines ums andere anpassen: Geduld haben, Beobachten, Kreisläufe verstehen und sie schliessen – das sind die Tipps von Sepp und Tamara.


Und essentiell sei auch der Austausch mit Gleichgesinnten.


Text: Esther Achermann


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