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  • Arianna Bisaz

Schadinsekten lieben niedrige Brix-Werte Teil 1

Aktualisiert: 10. Feb.


Ich wette, nach der Lektüre dieses Blogbeitrags wirst du den Brixwerten deiner Kulturen sehr viel mehr Aufmerksamkeit schenken!


Denn der Brix des Blattsaftes korreliert nicht nur mit dem Gesundheitszustand, der Stressresistenz und der Nährstoffdichte der untersuchten Pflanze. Er erklärt auch einen etwaigen Insektenbefall, wie der US-amerikanische Insektenspezialist Dr. Tom Dykstra in mehr als 20 Forschungsjahren herausgefunden und in systematischen Übersichten zusammengeführt hat.


brix messen mit refraktometer

Dies ist kein Artikel über die richtige Benutzung eines Refraktometers. Infomaterial zu empfohlenen Geräten und dem korrekten Messen von Brix findest du in der Online-Bibliothek der Regenerativ-Community.

 

Gold Standard zur einfachen Bestimmung der Pflanzengesundheit


Der schnellste, sicherste und aussagekräftigste Weg, den Gesundheitsgrad einer Pflanze festzustellen, geht über die Untersuchung der Zuckerkonzentration des Blattsaftes – also des Brix - mit einem Refraktometer.


Warum der Blattsaft? Die Blätter sind der Ort, an dem der Pflanzenzucker dank Photosynthese produziert und bei vielen Pflanzen auch gespeichert wird. Die Blätter zeigen also die konsistentesten Brixwerte einer Pflanze; Brixwerte von Früchten, Fruchtgemüse, Blüten, Wurzeln, Stängeln etc. sind eher Schwankungen ausgesetzt.


brix messen mit refraktometer

Mit der Untersuchung des Blatt-Brixwertes messen wir also, wie viel Zucker sich im Pflanzensaft der Blätter befindet. Je intensiver eine Pflanze Photosynthese betreibt, desto mehr Zucker ist in ihrem Gewebe enthalten, und desto höher sind die Brix-Werte der Blätter. Bei ausgewachsenen Pflanzen liegen die Blatt-Brixwerte meist zwischen 0 und 20 Brix, d.h. 0% bis 20% des Pflanzensaftes besteht aus Zucker.

 

Kategorisierung der Pflanzengesundheit


Dykstra unterteilt die Brixwerte in vier Niveaus von steigender Pflanzengesundheit (siehe auch Darstellung unten):


  • Brixwerte zwischen 0 und 2: Die Pflanze steht mit einer Wurzel im Grab. Die Pflanze betreibt kaum Photosynthese und weist kein Immunsystem auf. In einer natürlichen Umgebung ist sie nicht überlebensfähig und wird sofort von Insekten und Krankheiten wegradiert. In einer künstlichen Umgebung ermöglicht nur eine intensive Pflege ihr Fortbestehen. Dykstra zitiert als typischer Vertreter dieser Kategorie Golfrasen, der Dank Dünger, Bewässerung und diversen «-ziden» am Leben erhalten wird.

  • Brixwerte zwischen 3 und 7: Die Pflanze hat relativ gute Überlebenschancen. Die Pflanze betreibt etwas Photosynthese und kann gewisse Mengen an Energiereserven bilden. Um 6 Brix steigert sie die Produktion von sekundären Pflanzeninhaltsstoffen sprunghaft, so dass sich ihr Immunsystem verbessert und bei Verzehr durch den Menschen erstmals Aroma wahrgenommen wird. Sekundäre Pflanzenstoffe sind die Phytochemikalien, die zu Geruch, Farbe und Geschmack einer Pflanze sowie teils auch zur Pflanzenabwehr gegen Schädlinge beitragen. Trotzdem funktioniert eine Pflanze auf diesem Niveau deutlich unter ihrem Potential; Pflanzengesundheit sowie Ertrag bleiben beeinträchtigt und Dosen an «-ziden» und Dünger sind in der Regel weiterhin nötig. Laut Dykstra macht diese Pflanzengesundheitsstufe mit einem ca. 75%-Anteil aller seiner Proben das Gros unserer täglichen Nahrung aus.

  • Brixwerte zwischen 8 und 12: Die Pflanze ist mit «Schwert und Schild» ausgerüstet. Die Pflanze betreibt effizient Photosynthese und hat ein gut funktionierendes Immunsystem. Sie ist selber in der Lage, sich gegen viele Insektenarten zu wehren. Die Wasserspeicherfähigkeit der Pflanze (und des Bodens) nimmt zu, so dass ihr Wasserverbrauch sinkt. Kulturpflanzen auf diesem Niveau sind Dykstra zufolge relativ selten, aber es gibt sie doch.

  • Brixwerte von 12 und mehr: Die Pflanze ist objektiv gesund. Sowohl Photosynthese als auch Immunsystem der Pflanze sind in Topzustand. Schadinsekten kommen nicht mehr vor. Die Wasserspeicherfähigkeit und -effizienz von Boden und Pflanzen haben sich nochmals verbessert (Dykstra spricht von Einsparungen von Bewässerungswasser um bis zu 50%!). Laut Dykstra sind solche absolut gesunden Kulturpflanzen, welche erstmals für den menschlichen Verzehr geeignet sind, auf den meisten Bauernhöfen bzw. in den Ladentheken sehr selten bis gar nicht zu finden.


brix skala von thomas dykstra

Darstellung: Die 4 Pflanzengesundheitsniveaus nach Dystra. Brixwerte bis 2 benötigen Zwangsernährung und Medikation; Brixwerte ab 3 ermöglichen der Pflanze, selbständig am Kampf ums (Über-)Leben teilzunehmen. Ab 6 Brix nimmt die Menge an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen zu. Ab 8 Brix etabliert sich die Resistenz gegenüber Insekten zusehends und die Wasserretention in Boden und Pflanzengewebe nimmt zu. Ab 12 Brix ist die Pflanze objektiv gesund und erstmals für den menschlichen Verzehr geeignet (Quelle: How Brix Levels Impact Insect Pressure on Plants, Dr. Thomas Dykstra).


Was Insekten mögen


Insekten sind mit einem einfachen Verdauungssystem ausgestattet und können - mit Ausnahme der nektarfressenden Insekten - nur Gewebe verdauen, welche so richtig für den Insektendarm konzipiert sind. Das sind Dinge, die für Menschen und Wirbeltiere oft ungeniessbar oder gar ungesund sind: Nährstoffarmes, Fermentiertes, Überreifes, Beschädigtes, Verletztes, Krankes, Sterbendes oder Totes. Diesen Dingen ist gemeinsam, dass sie fast ausschliesslich tiefe Brixwerte aufweisen.


Nun ist es so, dass alle lebenden Zellen, Gewebe oder Organismen elektromagnetische Signale aussenden. Eine Pflanze mit tiefem Brix sendet andere elektromagnetische Signale aus als eine gesunde Pflanze mit hohem Brix. Grund dafür ist u.a. die Zusammensetzung des Pflanzensaftes, der nach Ablauf einer 24 Stunden-Fotoperiode (Tag- und Nachtwechsel) je nach Gesundheitsgrad der Pflanze unterschiedliche Werte von andersartigen Zucker- und Stickstoffmolekülen aufweist - mehr dazu im Blogbeitrag Vollständige Resistenz dank gesunder Pflanzen.


Die Schadinsekten, welche unvollständige oder aufgespaltene Zucker- und Eiweissmoleküle von schwachen Pflanzen lieben, «registrieren» die elektromagnetischen Felder dieser Stoffe aus der Ferne und suchen sich ganz gezielt ihr Pflanzenopfer aus. Ist eine Pflanze dank kompletter Zucker- und Eiweissverbindungen so richtig gesund, wird ein Schädling vielleicht auf ihr landen um sich auszuruhen – aber damit hat’s sich schon.

 

Kategorisierung der Schadinsekten


Dykstra teilt die Schadinsekten anhand ihrer Brixvorlieben in vier Gruppen ein (siehe Bild unten). Diese Einteilung ist nicht Deckungsgleich mit der oben vorgestellten Kategorisierung der Gesundheitsniveaus von Pflanzen. Es handelt sich um folgende Insektengruppen:


  • Die Blattlausgruppe (Untergruppe der saugenden Insekten), insbesondere Blattläuse und Schildläuse. Die Insekten dieser Gruppe bevorzugen einen extrem niedrigen Brixwert unter 6 bis 8;

  • Saugende Insekten, z.B. Zikaden (Zwergzikaden, Rundkopfzikaden, Stinkkopfzikaden), Stinkwanzen und Thripse. Sie verlieren das Interesse an einer Pflanze, wenn diese Brix-Werte um 7 bis 9 erreicht;

  • Beissende Insekten, z.B. Käfer, Schmetterlinge, Motten und verwandte Insekten. Sie verlieren das Interesse an einer Pflanze, wenn diese Brix-Werte um 9 bis 11 erreicht;

  • Die Heuschreckengruppe, z.B. Laubheuschrecken, Grillen und verwandte Insekten. Sie greifen eine Pflanze an, wenn ihr Brixwert zwischen 10 und 12 liegt.


Pflanzen mit Brixwerten von über 12 können von Insekten nicht mehr verdaut werden. Die Insekten vermögen dann zwar vielleicht noch den schwächsten Teil der Pflanze zu identifizieren und anzugreifen - z.B. einen absterbenden Ast – ansonsten werden sie in unmittelbarer Nähe der gesunden Pflanze verhungern. Allerdings: Ab 12 Brix häufen sich Kulturschäden durch Wirbeltiere wie Krähen oder Rehe.


brix skala insekten von thomas dykstra

Darstellung: Einteilung der Insekten gemäss Brixvorlieben. Die Blattlausgruppe (aphid group) bevorzugt einen niedrigen Brixwert unter 6-8 Brix: saugende Insekten (sucking insects) verlieren das Interesse an einer Pflanze bei 7-9 Brix; beissende Insekten (chewing insects) verabschieden sich, wenn eine Pflanze 9-11 Brix erreicht; und die Heuschreckengruppe (grasshopper group) hört auf zu knabbern, sobald eine Pflanze um die 10-12 Brix erreicht (Quelle: How Brix Levels Impact Insect Pressure on Plants, Dr. Thomas Dykstra).

 

Der Jahrhundert(e) alte Abwärtstrend des Brix


Es ist lehrreich festzustellen, dass sich die verschiedenen Insektengruppen über die Zeit oft nahtlos ablösen. Ein «Insekten-Schichtwechsel» kann natürlich in die richtige Richtung (steigender Brix) oder in die falsche Richtung (sinkender Brix) zeigen 😊.


In seinem ernüchternden Videobeitrag A 100-year review of Florida citrus production—what is causing this steep decline? (Ein 100-Jahres-Rückblick auf die Zitrusfrüchteproduktion in Florida - was ist die Ursache für den steilen Rückgang der Produktionsmenge?) veranschaulicht Dykstra eindrücklich, wie Anbaumethoden und Pflanzenschutzmittel die Orangenbäume Floridas nach und nach geschwächt haben und sich die Populationen von Schadinsekten zum Schlechten hin abgelöst haben.


Brix werte in Orangen in Florida

Chart: Rückgang der Brixwerte von Zitrusfrüchten in Florida über die letzten 100 Jahre und Aufkommen von dem jeweiligen Brixniveau angepassten Insektengruppen. Aufgrund der enormen Qualitätsprobleme sind die gesetzlichen Brix-Mindestwerte für zu Saft verarbeiteten Orangen in Florida schon mehr als einmal gesenkt worden (Quelle: How Brix Levels Impact Insect Pressure on Plants, Dr. Thomas Dykstra)



Weiterbildung


  • Basiskurse regenerative Landwirtschaft (Schwerpunkte Ackerbau, Gemüsebau und Grünland). Beginn jeweils im Februar. Infos und Anmeldung

  • Online-Kurs: Einführung in die regenerative Landwirtschaft. Infos und Anmeldung


Quellen


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