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  • Arianna Bisaz

Bodenaufbau, und was noch?

Aktualisiert: Juli 29

Bodenaufbau ist das Fundament einer regenerativen und langfristig nachhaltigen Landwirtschaft.


Über den Bodenaufbau hinaus schälen wir in diesem Artikel weitere grundlegende Aspekte einer regenerativen Bewirtschaftung heraus, deren Ziel es ist, einen profitablen Betrieb zu führen UND unsere Lebensgrundlagen sicherzustellen.


Ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit, frei nach Richard Perkins, regenerativer Landwirt in Südschweden.





1. Ganzheitlichkeit berücksichtigen

Die konsequente Berücksichtigung der sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekte stellt sicher, dass die Ressourcen auf dem Hof gut verwaltet werden und der Betrieb langfristig funktionieren kann. Durch eine systematische Herangehensweise bei der Berücksichtigung dieser Aspekte ist man sicher, dass Entscheide getroffen werden, die dem Gesamtsystem dienen und zu keinen unbeabsichtigten negativen Auswirkungen seiner Teilelemente führen.

Schon in den 60er Jahren hat Allan Savory (Simbabwe) diese Denk- und Angehensweise unter dem Begriff «holistisches Management» zu einem pfannenfertigen Ansatz entwickelt. Holistisch heisst so viel wie ganz, ganzheitlich und als zusammenhängendes Ganzes funktionierend. Das «holistische Management» von Allan Savory bietet konkrete Werkzeuge, die die ganzheitliche und bewusste Berücksichtigung der komplexen Systeme auf dem Hof bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen.


2. Natur kapieren und kopieren

Die Natur funktioniert als System und Netzwerk – alles ist abhängig von einander und stützt sich auf Synergien. Wenn wir den Naturgesetzen und -mustern nicht folgen, dann haben wir mittel- und langfristig schon verloren. So gemeint, dass wir für ein bestimmtes Produkt oder Resultat wahrscheinlich mehr Zeit, Geld und Ressourcen aufwenden müssen, als wenn wir mit der Natur arbeiten. So will sich eine regenerative Bewirtschaftung die natürlichen Prozesse bewusst zu Nutze machen und die Synergien nutzen. Ein Beispiel: die Natur funktioniert niemals ohne Tiere. Tiere bewegen Nährstoffe, füttern den Boden mit Dung und Mikroben, schaffen kleine und große Öffnungen im Boden, bestäuben Nutzpflanzen etc.


Wenn Tiere somit einen Teil der Arbeit einer Maschine oder eines Menschen übernehmen, dann sparen wir sowohl Zeit als auch Geld. Es gibt viele Möglichkeiten, um eine Vielfalt von Tieren, Vögeln, Insekten und Bodenlebewesen im Hofsystem zu integrieren und willkommen zu heißen. Oder das Verhalten der Tiere auf dem Hof zu imitieren. Wenn Du selber keine Zuchttiere hast, kannst du zum Beispiel die Herde deines Nachbarn zum Abweiden der Ernterückstände auf deinem Betrieb einladen. Oder du kannst einführen, dass deine Hoftiere immer draussen weilen und ständig in Bewegung sind, wie in der wilden Natur.


3. Kreisläufe schliessen

In der regenerativen Landwirtschaft tut man die Dinge grundsätzlich mit wenig Geld und Technologie, effizient, kleinräumig, vielfältig, in geschlossenen Kreisläufen und menschenbezogen. Sie steigert die Ressourceneffizienz, denn die industrielle Landwirtschaft verschlingt das mehrfache an Fremdenergie, als sie in Form von Nahrung erzeugt. Auf einem regenerativen Hof hat die bewirtschaftete Fläche eine optimale Grösse, so dass sie effektiv und intensiv bewirtschaftet werden kann - denn das ermöglicht uns, einen viel höheren Gewinn pro Flächeneinheit zu erzielen.


Die Infrastruktur ist einfach, mobil und grössenvariabel, was grosse Flexibilität (Erweiterungen, Umsiedlung nach Bedarf) und rasche Reaktionsfähigkeit ermöglicht. So können Viehunterstände, Zäune und Wasserleitungen unkompliziert bewegt und der mobile Bauwagen mal als Unterkunft, mal als Trainingsraum genutzt werden. Neue Ansätze und Techniken erlauben, zu niedrigen Kosten und mit geringen Anfangsinvestitionen zu arbeiten, während gleichzeitig Produkte von hoher Qualität erzeugt werden.


Durch die Vielfalt des Betriebes können zudem diverse Aktivitäten integriert und Synergien genutzt werden; so können z.B. Nebenprodukte von einem Produktionszweig als Ressource für eine andere Aktivität benutzt werden. Konkret: eine Hühnerhaltung im Tunnel oder Glashaus in der kälteren Jahreszeit wird nicht nur den Boden durch Hühnermist bereichern, sondern auch das Klima im Tunnel durch Abgabe von Körperwärme verbessern und womöglich die Vegetationsperiode der Kulturen verlängern.


4. Direkte Beziehungen herstellen

Die Direktvermarktung bringt für (kleine) Produzenten entscheidende Vorteile mit sich, die dazu beitragen, einen ökonomisch nachhaltigeren Betrieb zu gewährleisten. Zwischenhändler und Transportkosten fallen aus, so dass der Landwirt eine höhere Gewinnmarge mit seinen Erzeugnissen erzielen kann. Der Landwirt kann zudem unabhängiger von konventionellen Marktstrukturen, schwankenden Marktpreisen und gewisser Normen/Standards wirtschaften.


Es gibt viele unterschiedliche Formen der landwirtschaftlichen Direktvermarktung, wie z.B. der Hofladen, die wöchentlichen Abo-Körbe oder die Solawi. Interessant ist auch das finnische REKO, welches von Thomas Snellman geschaffen wurde und bei uns noch wenig verbreitet ist. REKO steht für fairer Konsum und funktioniert folgendermassen: in einem REKO-Netzwerk werben mehrere lokale Lebensmittelproduzenten in einer gemeinsamen Facebook-Gruppe für Waren. Kunden bestellen Waren über die Facebook-Gruppe im Voraus. Die bestellten Waren werden den Kunden zu einer festgelegten Zeit an einem festen Ort geliefert.


5. Sich durch die eigenen Kunden zertifizieren lassen

Richard Perkins ist stolz darauf, genau den Kundenstamm zu betreiben, den er wertschätzt. Er hebt immer wieder die starke Kundenbindung und die Belebung der lokalen Gemeinschaften hervor, die durch Direktvermarktung entsteht. Wenn sich Produzent und Konsument kennen – zum Beispiel dank Anlässen des offenen Hofes - dann ist ein Informationsfluss gewährleistet und es entsteht eine Vertrauensbasis, die verkaufsfördernd wirkt.


Richard Perkins nennt diesen Effekt die «Zertifizierung durch den Kunden». Er ist überzeugt, dass der direkte Kundenkontakt Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsmassnahme in einem ist und jegliche externe Zertifizierung nach Label soundso überflüssig macht.


Mundpropaganda, basta.



6. Die Einzigartigkeit des Betriebes gezielt nutzen

Die regenerative Bewirtschaftung ist ein äussert lebendiger und kreativer Ansatz mit einem breiten Spektrum von Aktivitätsfeldern und Denkweisen, die alle ihren Beitrag leisten, den Hof resilienter zu machen. Der Ansatz gibt kaum Wundermittel vor, sondern lädt ein, Beobachter zu sein, den Kontext und die Charakteristiken des Landes und des Lebens auf und um den Hof immer besser zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen. Dabei immer auch natürliche Prinzipien zu berücksichtigen und regenerative Bodenpraktiken umzusetzen.


Freue dich ab den vielen Möglichkeiten, probiere aus! Dadurch wirst du nicht nur den Boden, sondern dich selbst erneuern. Und Wegbereiter sein für die nächsten Generation auf deinem Hof, indem du das Land und die Gemeinschaft in einem gesünderen Zustand hinterlässt, als du sie selbst vorgefunden hast.



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